Dr. med. Werner Tschan MAE

Vita:

Werner Tschan hat sich seit 25 Jahren für eine umfassende und nachhaltige Gewaltprävention engagiert. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in eigener Praxis in Basel; er verfügt über einen Zertifikatsabschluss der Universität Mainz in der Behandlung von Sexualdelinquenten und einen Masterabschluss der Universität Zürich in Applied Ethics (MAE). Er hat das Beratungszentrum gegen sexuelle Grenzverletzungen in professionellen Beziehungen aufgebaut und das international tätige Institut "Psychotraumatologie" gegründet. Er wurde 1999 ins Advisory Board von advocateweb.org berufen, und ist seit 2009 wissenschaftlicher Berater der Stiftung LINDA.
Werner Tschan nahm von 2010 bis 2011 als Experte am erweiterten runden Tisch der deutschen Bundesregierung in Berlin zur Prävention von sexuellen Missbräuchen teil. Von 2004 bis 2009 konzipierte und leitete er an der Universität Zürich den interdisziplinären CAS-Kurs "Intervention und Prävention bei sexueller Gewalt". Aus finanziellen Gründen musste der Kurs aufgegeben werden – im selben Jahr stellte die Schweizer Regierung damals für die Stützung der Bankenwirtschaft 6 Mia. Franken zur Verfügung. Werner Tschan bezeichnet die Arbeit im Bereich einer umfassenden Gewaltprävention als Minenfeld – nicht zuletzt, weil er bei der Thematisierung der Gewaltentstehung immer wieder bestehende gesellschaftliche Strukturen hinterfragt. Die Opfer interpersoneller Gewalt haben keine Lobby, und sie sind durch die Gewalterlebnisse ohnehin schon traumatisiert – durch die fehlende Anerkennung ihres Leidens werden sie erneut verletzt. Seine Ausbildung und seine Berufserfahrung gibt Werner Tschan den nötigen fachlichen Hintergrund für die Entwicklung von nachhaltigen Strategien zur Gewaltprävention.
In seiner Praxis behandelt er betroffene Personen und versucht ihnen eine Vision aufzuzeigen, wie sie die schrecklichen Erlebnisse hinter sich lassen können – nicht vergessen, und nicht ungeschehen machen wollen. Er beteiligt sich auch an der Rehabilitation von Tätern und kennt den Strafvollzug inklusive den Knast aus nächster Nähe. Sein Wissen und seine Erfahrung setzt er in der Beratung von Institutionen und in der Ausbildung von Fachleuten ein – Zeugnis davon sind seine weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit. Er sprach zu Juristen in Osaka/Japan, er eröffnete den postgraduate Ausbildungszyklus der Psychiater in Sydney mit seinem Beitrag über das Berufsrisiko, er sprach zu Bischöfen in New Delhi, zu male survivors in Christchurch NZ und in New York und zu Schulleitern in Bern – das Problem der Gewaltprävention stellt sich weltweit.
Werner Tschan hat gemeinsam mit Fachleuten in der Schweiz das Netzwerk "interdisziplinäre fach­gruppe gewaltprävention" ins Leben gerufen. In diesem Arbeitskreis werden praxisrelevante Aspekte einer umfassenden Gewaltprävention aus unterschiedlichen beruflichen und persönlichen Perspektiven bearbeitet und der Fachwelt zugänglich gemacht.
Werner Tschan kennt die Problematik von fachlichen Fehlverhalten aus unmittelbarer Erfahrung; er hat ein Rehabilitationsprogramm für Fachleute nach PSM entwickelt und angewendet ("Boundary Training und Monitoring"). Er war in diesem Bereich in der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte tätig und hat in der Aufbauphase von Hilfestrukturen für Fachleute in Schwierigkeiten wesentliche Inputs vermittelt. Er hat immer wieder die Verpflichtung von Fachleuten betont, dass sie fehlbare Kolleginnen und Kollegen melden müssen, damit ihnen nach Möglichkeit geholfen werden kann, und dass Patientinnen und Patienten nicht zu Schaden kommen. Er ist zudem seit vielen Jahren im Rahmen der Spitalkommission UPK in der Wahrung und Verbesserung der Patientenrechte der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel-Stadt tätig.
Werner Tschan war Gründungsmitglied und erster Präsident von AETAP, der Association of European Threat Assessment Professionals.
Werner Tschan hat seine unfassenden Kenntnisse zur Entwicklung von nachhaltigen Interventionsan­sätzen und präventiven Strategien eingesetzt. Die Erkenntnis über die Bedeutung eines derartigen Ansatzes ist erst bei wenigen Entscheidungsträgern angekommen – viele denken immer noch in traditionellen Mustern und wollen mit Gewalt nichts zu tun haben – erst wenn sie unmittelbar davon betroffen sind, realisieren sie wie wichtig präventive Ansätze wären. Mit wenig Aufwand kann viel erreicht werden – dieser Leitgedanke wird in den Schulungen durch Werner Tschan immer wieder umgesetzt. Die involvierten Fachdisziplinen sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden – erst in einem sinnvollen Miteinander lässt sich eine nachhaltige Gewaltprävention erreichen. Alle müssen "die selbe Sprache sprechen", und die Begrenzungen der eigenen Disziplin und Sichtweisen überwinden, damit Gewaltprävention wirkt.

 

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